Wie ich zum Pilgern kam!

Lange vor dem Pilgern beschäftigte mich dieses Thema. Irgendwann kamen dann auch das Buch und Hörbuch von Hape Kerkeling in mein Leben.
Zu dieser Zeit war ich noch viel mit dem Auto zu Aus- und Fortbildungen unterwegs und hatte genügend Zeit für Hörbücher. So auch für das Hörbuch „Ich bin dann mal weg“. Auch gemeinsam mit Jonas hörte ich mir das Hörbuch an, wenn wir einige Stunden unterwegs waren, und wir unterhielten uns darüber.
Zu dieser Zeit wusste ich noch nicht, wann ich mich auf die erste Pilgerreise aufmachen würde. Der Wunsch war jedoch da.
Der Grund, weshalb ich losgehe, veränderte sich mit einem einzigen niederschlagenden und schockierenden Schicksalsschlag ein paar Jahre später.
Am 18.01.2019 starb Jonas ganz plötzlich. Von einem Tag auf den anderen war ich eine verwaiste Mutter. Eine schwere Zeit begann für mich. Ich hatte zwar viele Ressourcen, die ich mir im Laufe meines Lebens aufgebaut hatte. Auch Familie und Freunde waren für mich da, wofür ich sehr dankbar war und immer noch bin.
Doch durch die Trauer musste ich selbst hindurch. Wenn der Schmerz da war und ich Zeit hatte, zog ich meine Wanderschuhe an und ging hinaus in die Natur. Zu Beginn des Weges weinte ich. Ich gab mir, meinem Schmerz und der Trauer Raum. Mit den Schritten und der Zeit auf dem Weg beruhigte sich mein System und ich konnte entspannen. Ich war so oft es ging in der Natur. Es war meine Art der Trauerbewältigung.
Nicht ganz vier Monate später stand ich dann in Porto (12.05.2019), einer wunderschönen Stadt, die ich natürlich lieber als lebensfrohe Frau besucht hätte. Ich genoss, so gut es ging, die Sonne und machte mich einen Tag später auf den Weg nach Santiago de Compostela. Am 24.05.2019 kam ich dort voller Dankbarkeit an.
Eine Erfahrung, die ich nicht mehr missen möchte.
Nach sieben Jahren stehe ich hier und begleite selbst Menschen auf ihrem ganz persönlichen Weg. Nach tiefster Trauer und großem Schmerz hat sich für mich ein Weg gezeigt, von dem ich nie gedacht hätte, dass er mich hierherführen würde. Dafür bin ich sehr dankbar!
Während ich hier im Eiscafé sitze und diesen Text schreibe, esse ich Jonas’ Lieblingseis – Stracciatella.
Mutterliebe ist eine Liebe, die nie endet! 💞
Trauerpilgern mit Anne Hawener Saarlouis